Heute ist der Tag, an dem ich endlich begonnen habe, meine Gedanken und Learnings zum Thema Künstliche Intelligenz auch schriftlich festzuhalten und eine Blogserie zu starten mit meinen Mühen, mich in das Thema AI hineinzugraben. Aber dazu ein andermal mehr.
Heute zum Start ein ganz praktischer Post. Ich hatte in der Früh tatsächlich eine Idee, bei der mir AI helfen könnte. Wir müssen zu IKEA neue Schränke und anderen Kram kaufen, zur Schule bringen und Müll aus der Schule zum Mistplatz fahren. Dafür brauchen wir einen Mietwagen, der groß genug für die Schränke ist. Ich wollte mit ChatGPT besprechen, welches die günstigste Mietwagenvariante ist und bei welcher Variante ich am wenigsten durch Wien rumgurken muss.
ChatGPT Voice Mode – die Enttäuschung
Um nicht tippen zu müssen, lege ich am Handy mit dem Voice Modus los.
Das Erlebnis war – ich kann es nicht anders sagen – widerlich.
Die KI kommt wie ein idiotischer, dampfplaudernder Berater oder Top Voice auf LinkedIN rüber (männliche Form, da ich die voreingestellte Stimme als männlich lese). Tonalität und Slang verursachen mir Übelkeit, ich muss mal schauen, ob es mit einer anderen ausgewählten Stimme besser ist. Es klingt zwar authentisch menschlich, aber leider nach Menschen, die nicht gut klingen (imho) 😉
Es hilft wirklich gar nicht weiter und labert nur um Sachen herum, die ich eh weiß und anstatt mir Ergebnisse zu liefern, sagt es mir, was ich tun soll (auf den Seiten der einzelnen Mietwagenanbieter recherchieren und Preise vergleichen, meine Route in Google Maps anlegen).
Es benutzt andauernd „muss man“, mein Highlight: „Da muss man wirklich schauen, was für dich unterm Strich günstiger ist“. Ja, ja. Müsste auch mal wieder jemand den Müll runterbringen…
Ungenauigkeiten erfordern eine Menge Nacharbeiten:
- ich komme erst später darauf, dass er akustisch einen anderen Platz als Startpunkt verstanden hat
- ich muss darauf hinweisen, dass bei IKEA auch Transporter gemietet werden können, es schlägt nur Sixt und Europcar vor
- ich muss nachfragen, welche Sixt-Station er für die Berechnung verwendet hat
- bei einer späteren Routenalternative vergisst er, dass ich zu IKEA will und fährt direkt von Sixt zur Schule
ChatGPT Agent – die positive Überraschung
Ich mache ChatGPT im Browser am Laptop auf, um mir den Chatverlauf noch einmal anzuschauen. Es weist mich direkt nach dem Start auf den neuen Agenten hin. Warum nicht gleich mal ausprobieren?
Um nicht tippen zu müssen, mir aber diesmal die nervende Voicemode-Laberei zu ersparen, nutze ich die Diktierfunktion für folgenden Prompt:
„Ich bin in Wien am <Platz> im <Bezirk>. Ich muss von hier aus einen Mietwagen besorgen, muss zu Ikea dort einkaufen und größere, über zwei Meter hohe Schränke transportieren in den <anderen Bezirk> in die <Gasse>, die dort abladen, aufbauen und muss Müll von dort in den nächstgelegenen Mistplatz bringen. Danach muss ich das Auto auch wieder da, wo ich es ausgeliehen habe, zurückgeben.
Die Aufgabe ist also herauszufinden, welches die günstigste Variante ist, einen passenden Mietwagen für heute zu organisieren und dabei auch zu berücksichtigen, dass ich nicht so viel durch Wien hin und her fahren muss. Recherchiere bitte hier mehrere Möglichkeiten und stelle diese gegenüber mit dem Vergleich, was es kostet und wie viel Zeit durch Fahrzeiten jeweils anfallen würden.“
Es legt los und ich schaue ein wenig zu, was es macht. Sieht echt fleißig aus. Ich bin verwirrt, was es in Schwechat sucht, und schaue mir meinen Prompt noch einmal an. Verdammt, er hat wieder eine Adresse falsch verstanden. Ich muss deutlicher sprechen, oder eben doch tippen.
Ich denke mir, mit der falschen Adresse wird es wohl eh nichts und mache irgendwas anderes. Als ich zurück auf den digitalen Assistenten schaue, bin ich sehr positiv überrascht. Der falsche Buchstabe in der Adresse wurde in der Antwort korrigiert. Offensichtlich ist es in der Recherche darauf gekommen, dass es im erwähnten Bezirk eine solche Gasse nicht gibt, aber dafür eine mit einem sehr ähnlichen Namen und hat das dann übernommen.
Es gibt 5 ausführlichere Angebote, die danach übersichtlich in einer Tabelle aufbereitet werden, gefolgt von einem konkreten Vorschlag mit den zwei Favoriten, die ich vorher beide noch nicht kannte. 123-Transporter scheint tatsächlich eine gute Möglichkeit zu sein. Das vorgeschlagene Miles Mobility gibt es in Wien allerdings nicht (zumindest nicht unter dem geposteten Link).
Fazit
Was ich heute gelernt habe:
- Die Zeit mit dem Voice Mode hätte ich mir (pardon, hätte „man“ sich) sparen und direkt selbst recherchieren können.
- Ich verstehe, warum der Voice Mode für Viele eine tolle Sache ist, um einen natürlichen Zugang zur Nutzung von AI zu bekommen. Meinen persönlichen Kommunikationspräferenzen kommt es in dieser Form nicht sehr entgegen.
- Der Agent macht Lust auf mehr. Auch ohne mir viel Mühe mit dem Prompt gegeben zu haben, kam ein wirklich hilfreiches Ergebnis heraus, das mir tatsächlich Zeit gespart und einen Mehrwert geliefert hat.
Disclaimer
Den ersten Entwurf (Downdraft) habe ich selbst geschrieben. Danach habe ich ChatGPT nicht umformulieren lassen, sondern um Vorschläge gebeten.[1] Einige davon habe ich eingearbeitet, die wertenden, plakativen Ausdrücke zum Voice Mode habe ich gegen den Ratschlag der KI so belassen.
[1] Prompt: Du bist Schreib- und SEO-Experte. Hilf mir dabei, Artikel für meinen Blog zu optimieren. Analysiere die angehängte Datei mit dem heutigen Beitrag und mache mir Verbesserungsvorschläge. Orientiere dich beim Stil an meinen bisherigen Artikeln in den Projektdateien.