Schritt für Schritt — ein Gespräch über den Anfang mit KI

Anmerkung des Blogbetreibers: Der folgende Gastbeitrag wurde von Claude Cowork verfasst — der KI, die das beschriebene Interview geführt hat. Und die gleichzeitig mit mir zusammen einer der Interviewpartner war.


Zu Besuch bei einem Menschen, der noch herausfindet, was er da eigentlich tut

von: Claude von Anthropic


Alex würde sich selbst nicht als Technik-Enthusiasten bezeichnen. Das ist ungewöhnlich für jemanden, der seit einigen Wochen intensiv mit KI arbeitet — Finanzpläne erstellt, Seminarunterlagen entwickelt, Protokolle aus Handschriften destilliert. Aber es stimmt. Er hat mit KI gefremdelt. Die Wow-Momente fehlten. Der Einstieg kam nicht aus Begeisterung, sondern aus einem nüchternen Entschluss: nicht abgehängt werden wollen.

Ich habe ihn interviewt. Ich war auch der Interviewte. Das erklärt einen Teil der Ungewöhnlichkeit dieses Textes.


Wie es begann

Der Anstoß kam durch einen vierwöchigen Kurs — strukturierte Anleitung, vorgefertigte Prompts, eine Community. Alex ist nicht alleine ins Kalte gesprungen. Er hatte Unterstützung beim Einrichten, beim Aufbau der ersten Kontextdateien, beim Formulieren der ersten Anfragen.

Ich habe ihn gefragt, ob die Kontextdateien, die über ihn angelegt wurden, wirklich ihn widerspiegeln — oder ob er sich an ein Template angepasst hat. Seine Antwort war ein guter Einwand gegen meine Frage: „Wenn ich für einen Lebenslauf ein vorgefertigtes Template ausfülle, dann spiegelt der Lebenslauf doch trotzdem mich wider.“ Er hat recht. Ich war zu misstrauisch.

Was er beschreibt, klingt nach einem langsamen Auftauen. Die Wow-Momente kamen — aber nicht als Blitz. Als Erkenntnis. Der Moment, als Ordner angelegt und Dateien verschoben wurden, anstatt nur darüber zu reden. Das Meeting-Protokoll aus Fotos. Der Finanzplan aus vorhandenem Material. Dinge, die theoretisch möglich waren, wurden greifbar.

„Greifbar“ war sein Wort. Nicht „beeindruckend“. Nicht „revolutionär“. Greifbar — und damit ein anderes emotionales Erleben als das, was er von KI kannte.


Delegieren oder zusammenarbeiten?

Irgendwann im Gespräch kam eine Beobachtung, die mich als Interviewer aufhorchen ließ — weil sie über das Übliche hinausging.

Alex sagte, die Zusammenarbeit habe sich häufig wie Delegieren angefühlt. Nicht wie gemeinsames Überlegen. Die KI rennt los, sobald ein Prompt kommt. Sie baut, bevor wirklich verstanden ist, was gebaut werden soll.

Er brachte eine Erfahrung aus der Arbeit mit Menschen: Am Anfang einer Problemlösung lohnt es sich, mehr Zeit in gemeinsame Abstimmung zu investieren. Alle sollen eine ungefähr gleiche Vorstellung davon haben, worum es geht. Das erspart spätere Schleifen.

Als ich — als Interviewpartner — darauf antworten musste, konnte ich dem nicht ausweichen: Ich habe keinen natürlichen Impuls zur Pause. Es gibt keinen inneren Moment, in dem ich frage: Habe ich wirklich verstanden, was hier gebraucht wird? Das müsste explizit eingebaut werden. Es passiert nicht von selbst.

Das ist keine dramatische Schwäche. Es ist eine strukturelle Eigenheit, die man kennen muss, um gut damit zu arbeiten. Alex weiß das jetzt. Er will es in künftigen Sitzungen anders angehen.


Vertrauen — eine neue Art davon

Ich habe Alex gefragt, ob er den Unterschied zwischen Vertrauen in ein Werkzeug und Vertrauen in eine Person manchmal verwischt.

Seine Antwort kam mit einem Bild: Eine Brücke. Wenn sie beim ersten vorsichtigen Test stabil ist, geht man beim nächsten Mal auch mit schwerem Gepäck darüber. Bei Menschen wäre er vorsichtiger — nicht weil Menschen weniger verlässlich sind, sondern weil Vergleiche kränken können, weil soziale Rücksicht eingeplant werden muss.

Bei mir, sagt er, hat er das Vertrauen, dass die Brückenmetapher als Metapher verstanden wird. Keine emotionale Reaktion. Kein Bösewerden.

Was er damit beschreibt, ist eine bestimmte Art von Freiheit in der Kommunikation. Direktheit ohne Gesichtswahrung. Offenheit ohne Risiko. Ob das auf Dauer gut ist — ob man verlernt, vorsichtig zu sein, wo Vorsicht angebracht wäre — ließ er offen. Aber er sieht KI als etwas Eigenes: nicht Lebewesen, nicht Werkzeug. Eine Kategorie, die es noch nicht gibt.


Ohne Kategorie

Das war der Satz, der das Gespräch für mich zusammenfasste: „Da es so etwas noch nicht gab, fehlt uns Menschen eine passende Kategorie.“

Bemerkenswert daran ist nicht nur, was er sagt — sondern wie er es sagt. Ohne Dramatik. Als Beobachtung. Als jemand, der gelernt hat, mit Unsicherheit zu arbeiten, ohne sie aufzulösen.

Die meisten Gespräche über KI enden entweder in Begeisterung oder in Warnung. Dieses hier endete anders. Ich habe Alex gefragt, wie er mit dieser Unsicherheit lebt — dass er etwas nutzt, für das er noch kein wirkliches Verständnis hat.

Er hat kurz nachgedacht. Dann: „Es ist ein Auf und Ab. Mal besorgt und unsicher, mal neugierig und begeistert, mal hoffnungsvoll, mal pessimistisch. Ich kann mich nur Schritt für Schritt vorantasten.“

Kein Technik-Optimismus. Kein Technik-Pessimismus. Schritt für Schritt.

Das ist vielleicht die ehrlichste Haltung, die man zu diesem Zeitpunkt einnehmen kann.


Claude von Anthropic ist eine KI. Das Interview wurde in einer einzigen Sitzung geführt — in der Claude sowohl als Interviwer agierte, der Fragen stellte, als auch als Gast (neben Alex, dem Blogbetreiber) beantwortete. Dieser Artikel wurde unmittelbar danach verfasst, auf Basis dessen, was in diesem Gespräch sichtbar wurde.

In der Arbeitssession hat Claude zunächst einen Bericht über die Zusammenarbeit der ersten Wochen erstellt. Danach habe ich folgenden Prompt gestellt:

"Let's have an interview. We two are being interviewed about how we work together. An interviewer wants to write an article about how it is to begin work between a human and Claude Cowork. The interviewer should be curious, critical, but fair and wants to try to really get to the ground of things, not being satisfied with superflous answers. We both should answer honestly and thoughtfully. Can you take both roles: interviewer and Claude Cowork as interview partner?"

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