Und plötzlich grüßt das alte Eisen

Im November 2024 habe ich angefangen, über eine Frage zu schreiben, die mich immer mehr beunruhigt hat: Werde ich abgehängt? Winkt mir da aus der sich schnell nähernden Zukunft das alte Eisen mit ausgestreckten Armen und einem einladendem Lächeln?

Ich hatte gerade einen KI-Workshop besucht und ein Video eines CEOs gesehen, der beschrieb, wie er den ganzen Tag über mit KI arbeitet. Und ich musste mir eingestehen: I don’t get it. Ich war maximal unbeeindruckt. Und das ausgerechnet in dem Moment, in dem immer mehr Menschen in meinem Umfeld, die ich früher nicht als digital affiner als mich wahrgenommen hätte, begeistert davon waren.

Das war unangenehm. Nicht weil Technologie für mich identitätsstiftend wäre, aber offen für Innovation zu sein, früh Trends zu entdecken und Dinge auszuprobieren – das war durchaus ein Anspruch für mich. Und plötzlich war ich nicht mehr vorne mit dabei.


Von der Selbstberuhigung zur Selbstwahrnehmung

Ein erster Impuls resultierte in Verteidigung und Selbstvergewisserung: Ich habe mir vorgehalten, was ich alles schon ausprobiert hatte und welche Tools ich zuletzt für mich erschlossen hatte, wie Obsidian, Logseq, Zotero, OBS Studio. Okay, ich bin kein digitaler Totalverweigerer. Aber das hat die Frage nicht beantwortet, was mein Problem mit KI ist.

Dann ist mir etwas aufgegangen, das ich lange nicht so klar gesehen hatte: Die chatartige Benutzeroberfläche passt nicht zu mir. Ich bin jemand, der Dinge durchdenkt — schreibend entwickelt. Wenn mir ein Tool das Schreiben abnimmt, fehlt mir etwas. Und noch grundsätzlicher: Ich komme in Anwendungssituationen gar nicht auf die Idee, über eine Frage oder ein Problem in den Dialog zu gehen. Das mache ich mit Menschen auch nicht. Warum also mit einer KI?

Dazu kam die Frage nach dem Tempo. Hätte ich das Thema ruhig etwas gelassener angehen können? Einfach die anderen mal vorangehen lassen, ausprobieren und testen lassen, was gut ist und was nicht, und dann die Anwendungsfälle einsammeln, die sich als hilfreich herausgestellt haben. Lohnt es sich überhaupt, Prompting zu lernen, wenn das nächste Modell anders gepromptet werden soll? Wieviel Zeit ist rechtfertigbar, nur um halbwegs auf dem Laufenden zu bleiben?

Aber ich hatte die Sorge, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen, einen selbstverständlichen Umgang mit KI aufzubauen und nicht irgendwann komplett abgehängt im Regen zu stehen. Ich wollte es also bewusst immer weiter ausprobieren und testen. Ich habe sogar Geld investiert, um die Verbindlichkeit und den Einsatz für mich zu erhöhen, habe Bezahlversionen von ChatGPT und Gemini abonniert und mich für die AINAUTEN AI Automation Experts angemeldet.


Langsam bergauf

Im Februar 2026 hatte ich einen ersten Heureka-Moment: ein Gespräch mit Gemini im Voice-Mode, aus dem eine Idee entstanden ist, die ich danach auch wirklich weiter ausgebaut und genutzt habe. Vor allem auch Nano Banana (das Tool zur Bildgenerierung von Google) hat mir dann sehr viel bei der Erstellung von Arbeitsblättern, Grafiken und Visualisierungen für eine Lehrveranstaltung geholfen.

Aber das waren weiterhin gelegentliche, einzelne, unabhängige Prompts. An meiner Nutzung von KI hat es wenig geändert. Eher eine graduelle Verschiebung. Kein Durchbruch. Die Schwelle, im Alltag an KI zu denken, war immer noch hoch.

Für die AI Automation Experts hatte ich zwar eine Menge Geld versenkt, fand aber keinen Zugang für mich zu den vielen, vielen Materialien, die dort angeboten wurden. Erst mit der Ankündigung eines AI Mitarbeiter Bootcamps, das in meinem Paket mit enthalten war, habe ich endlich auch einmal ein Angebot genutzt. Dafür habe ich extra Claude abonniert (von ChatGPT hatte ich mich schon vor einer Weile verabschiedet) und installiert. Und damit wurde es erstmals wirklich anders…

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